Rechtsextreme Tendenzen nehmen - trotz nachlassendem Medieninteresse - weiterhin zu. Die Jugendverbände der Hilfsorganisationen positionieren sich hier eindeutig: Rechts ist out!
In den jährlichen Berichten des Bundesamtes für Verfassungsschutz lässt sich ein eindeutiger Trend erkennen: Die Mitgliedschaften in rechtsextremen, nationalistischen oder antisemitischen Vereinigungen nehmen ab (Verfassungsschutzbericht 2005, S. 51). Dies lässt leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass dennoch die Bereitschaft zu rechtspolitisch motivierten Straftaten beständig zunimmt, sich rechtsradikale Milieus stabilisieren und Wahlerfolge für deren Parteien immer greifbarer sind.
Zahlreiche Neonazi-Organisationen schaffen es immer wieder, sich durch zweifelhafte Methoden einen "seriösen" Anstrich zu verschaffen. Hierzu werden gezielt Kampagnen gestartet, die einen sozialen Charakter vorgaukeln, um ihre Ideologien weiter zu tragen. Unter anderem werden auf Schulhöfen kostenlos CDs verteilt, die mit Songs von Bands aus der rechten Szene bestückt gerade ein junges Publikum beeinflussen sollen. Rund 50.000 solcher CDs mit Beiträgen, die eine "demokratiefeindliche, rassistische, völkische und nationalsozialistische Ideologie" vermitteln, wurden bereits an deutschen Schulen verteilt (Verfassungsschutzbericht 2005, S. 59).
Auch die Jugendverbände der Hilfsorganisationen sind mit ihrer Kampagne "www.was-geht-ab.com" nicht von diesen Strategien verschont. In Veröffentlichungen eines zweifelsfrei rechtsorientierten Verlages wurden Anzeigen der Aktion "www.was-geht-ab.com" entdeckt. Diese wurden einer Daten-CD entnommen, welche an ausgewählte Redaktionen in ganz Deutschland verteilt wurden, mit der Bitte um kostenlose Aufnahme als "Fülleranzeige" in ihren Zeitungen und Zeitschriften.
Auf nicht nachvollziehbarem Weg beschaffen sich nun auch rechtsorientierte Verlage solche Druckvorlagen von karitativen Organisationen, Naturschutzverbänden oder wie jüngst den Jugendverbänden der Hilfsorganisationen. Der Abdruck solcher Freianzeigen soll diese rechtsradikalen Publikationen seriös "anstreichen" - als Wölfe im Schafspelz daher kommen lassen.
Für LeserInnen, die mit diesen Strategien vertraut sind, ist dieses Vorgehen durchschaubar. Im Allgemeinen legt sich aber doch ein Schatten auf das Image der Jugendverbände oder karitativen Organisationen - ein Zusammenhang zwischen ihnen und den Verlagen hergestellt; vorgegaukelt, diese Organisationen hätten sogar für den Abdruck dieser Anzeigen gezahlt.
Mit aller Klarheit beziehen die Jugendverbände gegen rechtsextreme, neonazistische Umtriebe Position und distanzieren sich von derart hinterhältigen Vereinnahmungsstrategien. Die Jugendverbände stehen für demokratische Grundrechte, für die Gleichheit aller Menschen und deren unveräußerliches Recht auf Individualität. Diese sind unvereinbar mit jedweder Form von Fremdenfeindlichkeit, Radikalismus oder Antisemitismus.
Der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Publikationen sind frei erhältlich auf den Seiten des Bundesamtes für Verfassungsschutz unter www.verfassungsschutz.de.
Weitere Fachinfos zum Thema "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" in der Reihe "Deutsche Zustände", herausgegeben von Wilhelm Heitmeyer, erschienen im Suhrkamp-Verlag.